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Thema des Monats 10/2022

– Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Kinder und Jugendliche –

 

In unserem Praxisalltag haben wir festgestellt, dass rund 70% unserer Patient:innen sich von der Corona Krise seelisch belastet fühlen. Unsere Ernährungsberaterin konnte eine durchschnittliche Gewichtszunahme von zwei bis drei Kilo beobachten. Gleichzeitig hat der Anteil der Kinder und Jugendliche, die nicht Sport treiben, deutlich zugenommen. Weiterhin wurde von den Familien berichtet, dass der tägliche Medienkonsum deutlich zugenommen hat. Im Vorschulbereich haben wir im Rahmen der Diagnostik eine Zunahme von Defiziten im sprachlichen, motorischen und emotionalen Bereich festgestellt. Im sozialen Verhalten zeigen sich häufiger Schwierigkeiten in Form von fehlenden Konfliktlösungsstrategien mit verbalen und körperlichen Entgleisungen.

Bei den in unserer Praxis vorgestellten Patient:innen haben wir im Verlauf der letzten Monate eine deutliche Zunahme folgender Symptome bemerkt: Ängstlichkeit, Depressivität, Hyperaktivität, Schulabstinenz, Einsamkeit, Schlafstörungen, Selbstverletzungen, auffälliges Essverhalten, lebensmüde Gedanken.

Erste Anzeichen für eine seelische Belastung können sein, dass Aufgaben, die vor der Pandemie normale Alltagsroutine waren, plötzlich zu Überforderungen führen und die Kinder und Jugendlichen Vermeidungsstrategien zeigen. Krankheitsrelevant wird es dann, wenn Alltagsroutinen nicht mehr möglich sind, z. B. Treffen von Freunden, der Schulbesuch.

Eine Zunahme der sozialen Isolation und der innerfamiliären Konflikte sowie Überforderung durch den Schulalltag könnten mögliche Ursachen sein.

 

 

 

Thema des Monats 08/2022

– Mobbing –

 

„Vorsätzliches, wiederholt negatives Verhalten von einer oder mehreren Personen einer anderen Person gegenüber, die Schwierigkeiten hat, sich zu verteidigen“

„Mobbing“ stellt ein Kunstwort dar, kommt aus dem Englischen und ist von dem Verb „to mob“ (über jemanden herfallen, anpöbeln) bzw. dem Substantiv „the mob“ ableitbar.

Mobbing kann in jeder Altersstufe auftreten (Kinder, Jugendliche und Erwachsene).
Mobbing kann in jeder Alltagssituationen stattfinden (Schule, Verein, Arbeitsplatz etc.)

Neben dem aktiven „Mobber“ (Täter / Tätergruppe) und dem „Gemobbten“ (Opfer) gibt es den „nicht aktiven Unterstützer“ (Mitläufer: lacht mit, grenzt mit ab), den „Zuschauer“ (lehnt zwar Mobbing ab, greift jedoch auch nicht ein) und den „Beschützer“ (stellt sich aktiv auf die Seite des Opfers).

Untersuchungen ergaben, dass fast die Hälfte aller Schüler:innen einmal im Verlauf ihrer schulischen Laufbahn eine Form von Mobbing Erfahrung gemacht hat. Dabei erlebt etwa jede:r zehnte Schüler:in eine der drei Formen des Mobbings über einen längeren Zeitraum. Häufig tritt Mobbing in der Schule zwischen der fünften und zehnten Klasse auf.

Folgende Erscheinungsformen gibt es:

Körperliches Mobbing: Schlagen, Treten
Sprachliches Mobbing: Beschimpfungen,Drohungen
Soziales Mobbing: Zerstörung sozialer Beziehung

Ein typisches Opfer / Täter Profil gibt es nicht. Bereits Nichtigkeiten können Auslöser für Mobbing sein.

Was bei Mobbing häufig typisch ist: Es findet meist im Verborgenen statt – Bezugspersonen bemerken oft lange nichts davon. Daher können die Täter ihre Opfer zuweilen über einen sehr langen Zeitraum drangsalieren.

Die Opfer leiden häufig unter schweren psychische Belastungen. Sie flüchten sich oft in Einsamkeit und Isolation. Das Selbstwertgefühl nimmt rapide ab, Schuldgefühle können auftreten („Ich bin selber an meiner Situation schuld“). Kopf- und Bauchschmerzen, Schlafstörungen, Übelkeit, selbstverletzendes Verhalten bis hin zu lebensmüden Gedanken können Folgen von Mobbing sein. Im Verlauf von Jahren können sich aus einer Mobbingsituation sogar seelische Erkrankungen wie eine Depression oder eine Angststörung entwicklen.

Was können die Betroffenen, die Eltern und die Lehrer tun?

Lehrer:
Vor allem den Lehrern kommt eine Schlüsselrolle zu. Sie sind die Ersten, welche die ersten Warnzeichen bemerken sollten (z. B. wenn ein:e Schüler:in ihr/sein Verhalten plötzlich verändert, wie in sich gekehrt wirkt, stiller wird und die schulischen Leistungen abnehmen etc.).

Eltern:
Eltern, die erfahren, dass ihr Kind gemobbt wird, sollten möglichst vermeiden, sofort zu extrem zu reagieren (z. B. nicht den Lehrer unter Druck setzen, den Täter sofort zu bestrafen). Verschaffen Sie sich erstmal selbst einen objektiven Überblick über die Situation. Suchen Sie dafür das Gespräch mit ihrem Kind und den Lehrern. Geben sie den Lehrern die notwendige Zeit, sich selbst ein Bild über die Situation zu machen. Besprechen Sie gemeinsam mit der Schule, welche Gegenmaßnahmen wirksam sein könnten.

Betroffene:
Für die Betroffenen am wichtigsten ist: Lasst Euch helfen! Die Täter lieben es nämlich, im Verborgenen zu bleiben! Öffentlichkeit mögen sie nicht! Häufig klärt sich alles sehr schnell, wenn die Täter merken, dass ihr Opfer sich plötzlich Hilfe holt und alles öffentlich wird.

Sehr hilfreich ist es, ein Tagebuch zu führen, in dem die Übergriffe (wann, wo, wie) dokumentiert werden. Chat-Verläufe und E-Mails etc. als Beweismitteln sind wichtig. Auf diese Weise ist es möglich, die Eltern und die Schulleitung so umfassend wie möglich zu informieren.

Unter Umständen ist es sinnvoll, sich professionelle Hilfe zu holen z. B. Vertrauenslehrer:in, Ärzt:in.

 

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