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Thema des Monats 12/2022

– Kopfschmerzen –

 

Kopfschmerzen (lat. Cephalgie) können bereits im Kindesalter auftreten und bedeuten je nach Stärke und Dauer eine deutliche Einschränkung der Lebensqualität. Mediziner unterscheiden mehr als 200 Kopfschmerzarten. Dabei können die Schmerzen dumpf oder stechend, pochend oder drückend, den ganzen Kopf umfassend oder regional begrenzt auftreten. Es leiden Frauen häufiger als Männer an Kopfschmerzen.

Im Rahmen einer internen Erhebung in unserer Praxis stellten wir fest, dass rund 90% Prozent aller befragten Patient:Innen unter Kopfschmerzen litten. Es zeigte sich, dass 60% der Betroffenen weiblich und 40% männlich waren. Interessant war auch, dass von den weiblichen Patientinnen vor Eintritt der Pubertät knapp 44% von Kopfschmerzen betroffen waren, nach Beginn der Pubertät waren es rund 56 %, was eine Zunahme von 12% bedeutet.

Wissenswert ist, dass sich hinter Kopfschmerzen selten eine ernste Grunderkrankung verbirgt. Die meisten Kopfschmerzen sind von Natur aus eher harmlos und lassen sich gut mit einfachen Hausmitteln oder Schmerztabletten behandeln. Es gibt aber auch schwere Formen von Kopfschmerzen, wie z. B. Migräne oder Cluster-Kopfschmerzen, die ggf. einer besonderen Therapie bedürfen.

Ursachen für Kopfschmerzen

Man vermutet zahlreiche unterschiedliche Ursachen für die Entstehung von Kopfschmerzen. Was aber genau im Kopf passiert und wieso daraus am Ende Kopfschmerzen entstehen, ist bis heute nicht geklärt.

Wetterveränderungen, schlechte Raumluft, Hunger, Flüssigkeitsmangel, Hormonschwankungen (z. B. während des Zyklus der Frauen), Bluthochdruck, Verspannung im Nacken- und Kieferbereich, Probleme beim Sehen, Geräuschempfindlichkeit, Medikamente etc. können Auslöser für Kopfschmerzen sein.

Was häufig als Ursache übersehen oder vernachlässigt wird, sind Stress und seelische Belastung oder seelische Erkrankungen.

Arten von Kopfschmerzen

Die häufigsten Arten von Kopfschmerzen sind Spannungskopfschmerzen (mit 90% am häufigsten), Migräne (am zweithäufigsten) und Cluster-Kopfschmerzen. Diese Arten von Kopfschmerzen zählen zu den primären Kopfschmerzen und haben keine klar erkennbare Ursache. Bei sekundären Kopfschmerzen (selten) liegen dagegen Nebenwirkungen von Medikamenten oder Erkrankungen zugrunde wie z. B. Bluthochdruck, Drogen, Verletzungen, Infekte der Nasennebenhöhlen, Tumoren.

Typische Symptome

Spannungskopfschmerzen werden meistens als leichte bis mittelschwere, dumpfe und drückende Schmerzen beschrieben. Begleitbeschwerden sind sehr selten. Die Schmerzen halten selten länger als ein paar Stunden an.

Bei Migräne beginnen die Schmerzen allmählich mit einseitigen Kopfschmerzen. Die Betroffenen beschreiben die Schmerzen als mäßig bis stark pochend und pulsierend. Ein Migräneanfall tritt immer mit Begleiterscheinungen wie Licht- und Lärm-Empfindlichkeit, Übelkeit oder Erbrechen auf. Ein geringer Anteil von Patienten (10% bis 15%) beschreibt vor dem Anfall eine sogenannte Aura mit Sehstörungen oder Kribbeln in den Armen. Die Schmerzen können bis zu 72 Stunden anhalten. Ein Migräneanfall wird häufig als sehr belastend empfunden.

Was kann man als Betroffene/r tun

Es ist empfehlenswert, dass sich die Betroffenen beim Kinder- oder Hausarzt beraten lassen. Der Arzt wird eine ausführliche Krankheitsgeschichte erheben, ggf. diverse Maßnahmen wie z. B. Blutabnahme und eine neurologisch – körperliche Untersuchung durchführen. Falls weitere Untersuchungen und Maßnahmen notwendig sein sollten, leitet er diese ein. Manchmal ist es sinnvoll, sich direkt an spezialisierte Kopfschmerzambulanzen zu wenden. Bei stressbedingten Kopfschmerzen oder bei Vorliegen von seelischen Belastungen ist die Vorstellung bei einem Kinder- und Jugendpsychiater sinnvoll.

 

 

 

 

Sehr hilfreich für den Arzt, aber auch für die Betroffenen selbst, ist das Führen eines Kopfschmerz-Tagebuchs (mindestens 4 Wochen, besser sind 8 Wochen). In dem Tagebuch sollten folgende Informationen festgehalten werden:

1. Wie oft traten die Kopfschmerzen auf?
2. Wo genau schmerzte es?
3. Wie fühlte sich der Schmerz an (z.B. dumpf oder stechend)?
4. Wie lange dauerte der Kopfschmerzanfall?
5. Gab es einen erkennbaren Auslöser (z.B. Unfall, Stress, Zyklus etc.)?
6. Welche Begleitsymptome traten auf?
7. Wurden Medikamente eingenommen, wenn ja welche?

Was hilft den Betroffenen

Manchmal können kleine Veränderungen im Lebensstill viel bewirken. Kopfschmerzen sind eine individuelle Angelegenheit je nach Lebenssituation und Gesundheitszustand. Dementsprechend ist die Behandlung individuell anzupassen.

Folgende Punkte können schon zu einer Verbesserung der Problematik führen:

1. Sich regelmäßig bewegen, bei sitzender Tätigkeiten dafür sorgen, zwischendurch aufzustehen
2. Beim Sitzen auf eine gute Sitzhaltung achtgeben
3. Regelmäßiger Ausdauersport (Schwimmen, Laufen, Fahrradfahren etc.)
4. Ausreichend schlafen
5. Täglich mehrmals Räume lüften
6. Mediennutzung reduzieren
7. Stress erkennen, reduzieren oder besser vermeiden
8. Seelische Belastungen ernst nehmen

Zusätzlich ist es sinnvoll, Entspannungstechniken wie Autogens Training, Yoga etc. in den Alltag einzubauen. Akupunktur oder Biofeedback sind weitere sinnvolle unterstützende Maßnahmen. Ätherischen Öle, Kälte und auch Tees werden als entlastend empfunden. Verhaltenstherapeutische Maßnahmen können bei Kopfschmerzen hilfreich sein.

Ernährungsumstellung, sinnvoll oder nicht?

In der Fachwelt wird immer wieder über den Zusammenhang zwischen Ernährung und Kopfschmerzen diskutiert. Z. B. wird eine Ernährungsumstellung in Form von Reduktion von Zucker und Histaminen empfohlen. Auf alle Fälle sollte auf regelmäßige und ausreichende Flüssigkeitszufuhr achtgegeben werden. Manche Menschen reagieren auf unzureichende Nahrungszufuhr sehr sensibel.

Können Medikamente hilfreich sein?

Spannungskopfschmerzen können mit Hilfe von handelsübliche Schmerzmitteln bekämpft werden. Dabei ist zu beachten, dass solche Medikamente – wenn sie zu häufig angewendet werden – selbst Kopfschmerzen verursachen können. Bei den anderen Kopfschmerzarten sollte eine Behandlung immer in Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen.

Thema des Monats 10/2022

– Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Kinder und Jugendliche –

In unserem Praxisalltag haben wir festgestellt, dass rund 70% unserer Patient:innen sich von der Corona Krise seelisch belastet fühlen. Unsere Ernährungsberaterin konnte eine durchschnittliche Gewichtszunahme von zwei bis drei Kilo beobachten. Gleichzeitig hat der Anteil der Kinder und Jugendliche, die nicht Sport treiben, deutlich zugenommen. Weiterhin wurde von den Familien berichtet, dass der tägliche Medienkonsum deutlich zugenommen hat. Im Vorschulbereich haben wir im Rahmen der Diagnostik eine Zunahme von Defiziten im sprachlichen, motorischen und emotionalen Bereich festgestellt. Im sozialen Verhalten zeigen sich häufiger Schwierigkeiten in Form von fehlenden Konfliktlösungsstrategien mit verbalen und körperlichen Entgleisungen.

Bei den in unserer Praxis vorgestellten Patient:innen haben wir im Verlauf der letzten Monate eine deutliche Zunahme folgender Symptome bemerkt: Ängstlichkeit, Depressivität, Hyperaktivität, Schulabstinenz, Einsamkeit, Schlafstörungen, Selbstverletzungen, auffälliges Essverhalten, lebensmüde Gedanken.

Erste Anzeichen für eine seelische Belastung können sein, dass Aufgaben, die vor der Pandemie normale Alltagsroutine waren, plötzlich zu Überforderungen führen und die Kinder und Jugendlichen Vermeidungsstrategien zeigen. Krankheitsrelevant wird es dann, wenn Alltagsroutinen nicht mehr möglich sind, z. B. Treffen von Freunden, der Schulbesuch.

Eine Zunahme der sozialen Isolation und der innerfamiliären Konflikte sowie Überforderung durch den Schulalltag könnten mögliche Ursachen sein.

 

 

Thema des Monats 08/2022

– Mobbing –

„Vorsätzliches, wiederholt negatives Verhalten von einer oder mehreren Personen einer anderen Person gegenüber, die Schwierigkeiten hat, sich zu verteidigen“

„Mobbing“ stellt ein Kunstwort dar, kommt aus dem Englischen und ist von dem Verb „to mob“ (über jemanden herfallen, anpöbeln) bzw. dem Substantiv „the mob“ ableitbar.

Mobbing kann in jeder Altersstufe auftreten (Kinder, Jugendliche und Erwachsene).
Mobbing kann in jeder Alltagssituationen stattfinden (Schule, Verein, Arbeitsplatz etc.)

Neben dem aktiven „Mobber“ (Täter / Tätergruppe) und dem „Gemobbten“ (Opfer) gibt es den „nicht aktiven Unterstützer“ (Mitläufer: lacht mit, grenzt mit ab), den „Zuschauer“ (lehnt zwar Mobbing ab, greift jedoch auch nicht ein) und den „Beschützer“ (stellt sich aktiv auf die Seite des Opfers).

Untersuchungen ergaben, dass fast die Hälfte aller Schüler:innen einmal im Verlauf ihrer schulischen Laufbahn eine Form von Mobbing Erfahrung gemacht hat. Dabei erlebt etwa jede:r zehnte Schüler:in eine der drei Formen des Mobbings über einen längeren Zeitraum. Häufig tritt Mobbing in der Schule zwischen der fünften und zehnten Klasse auf.

Folgende Erscheinungsformen gibt es:

Körperliches Mobbing: Schlagen, Treten
Sprachliches Mobbing: Beschimpfungen,Drohungen
Soziales Mobbing: Zerstörung sozialer Beziehung

Ein typisches Opfer / Täter Profil gibt es nicht. Bereits Nichtigkeiten können Auslöser für Mobbing sein.

Was bei Mobbing häufig typisch ist: Es findet meist im Verborgenen statt – Bezugspersonen bemerken oft lange nichts davon. Daher können die Täter ihre Opfer zuweilen über einen sehr langen Zeitraum drangsalieren.

Die Opfer leiden häufig unter schweren psychische Belastungen. Sie flüchten sich oft in Einsamkeit und Isolation. Das Selbstwertgefühl nimmt rapide ab, Schuldgefühle können auftreten („Ich bin selber an meiner Situation schuld“). Kopf- und Bauchschmerzen, Schlafstörungen, Übelkeit, selbstverletzendes Verhalten bis hin zu lebensmüden Gedanken können Folgen von Mobbing sein. Im Verlauf von Jahren können sich aus einer Mobbingsituation sogar seelische Erkrankungen wie eine Depression oder eine Angststörung entwicklen.

 

 

 

 

Was können die Betroffenen, die Eltern und die Lehrer tun?

Lehrer:
Vor allem den Lehrern kommt eine Schlüsselrolle zu. Sie sind die Ersten, welche die ersten Warnzeichen bemerken sollten (z. B. wenn ein:e Schüler:in ihr/sein Verhalten plötzlich verändert, wie in sich gekehrt wirkt, stiller wird und die schulischen Leistungen abnehmen etc.).

Eltern:
Eltern, die erfahren, dass ihr Kind gemobbt wird, sollten möglichst vermeiden, sofort zu extrem zu reagieren (z. B. nicht den Lehrer unter Druck setzen, den Täter sofort zu bestrafen). Verschaffen Sie sich erstmal selbst einen objektiven Überblick über die Situation. Suchen Sie dafür das Gespräch mit ihrem Kind und den Lehrern. Geben sie den Lehrern die notwendige Zeit, sich selbst ein Bild über die Situation zu machen. Besprechen Sie gemeinsam mit der Schule, welche Gegenmaßnahmen wirksam sein könnten.

Betroffene:
Für die Betroffenen am wichtigsten ist: Lasst Euch helfen! Die Täter lieben es nämlich, im Verborgenen zu bleiben! Öffentlichkeit mögen sie nicht! Häufig klärt sich alles sehr schnell, wenn die Täter merken, dass ihr Opfer sich plötzlich Hilfe holt und alles öffentlich wird.

Sehr hilfreich ist es, ein Tagebuch zu führen, in dem die Übergriffe (wann, wo, wie) dokumentiert werden. Chat-Verläufe und E-Mails etc. als Beweismitteln sind wichtig. Auf diese Weise ist es möglich, die Eltern und die Schulleitung so umfassend wie möglich zu informieren.

Unter Umständen ist es sinnvoll, sich professionelle Hilfe zu holen z. B. Vertrauenslehrer:in, Ärzt:in.

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